80% der in Deutschland beheimateten Schmetterlingsarten sind bedroht. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über die Biologie der Falter und einen kleinen Ausschnitt der Schmetterlingspopulation unserer heimischen Arten.
Die Schmetterlinge bilden innerhalb der großen Klasse der Insekten die Ordnung Lepidoptera. Innerhalb dieser Ordnung unterscheiden die Wissenschaftler fünf Unterordnungen. In vielen Büchern werden jedoch eher die weniger wissenschaftlichen Einteilungen in Kleinschmetterlinge und Großschmetterlinge oder in Tagfalter und Nachtfalter aufgeführt.
Man kennt bisher über 100.000 Schmetterlingsarten. Sie bewohnen alle Gebiete der Erde, die Pflanzenwuchs aufweisen, also nur die Antarktis nicht.
Die Schmetterlinge sind sehr einheitlich und weisen hoch entwickelte Merkmale auf. Sie haben je ein Paar Vorder- und Hinterflügel; die Vorderflügel sind bei Schmetterlingen seitlich hinter dem Kopf angeordnet, dahinter die Hinterflügel. Die nicht so prächtigen Nachtfalter bilden die größere Gruppe, bei denen die "Vorderflügel" über den "Hinterflügeln" liegen. Fliegt der Nachtfalter, so klappt er die unteren Flügel aus. Auf der glasig durchsichtigen Flügelmembran liegen die dachziegelartig angeordneten Schuppen.
Wie alle Insekten haben Schmetterlinge einen dreigeteilten Körper; die Abschnitte heißen Kopf, Brust und Hinterleib.
Der kugelförmige Kopf trägt wichtige Sinnesorgane. Eine optische Orientierung ermöglichen die großen Facettenaugen. Die Fühler sind sehr unterschiedlich gestaltet, fadenförmig oder gefiedert zur Vergrößerung der Oberfläche und dienen als Geruchsorgane. Hierbei gilt, dass die gefiederten Fühler der Männchen weit besser entwickelt sind als bei den Weibchen, da sie neben den Nahrungsquellen auch die Geschlechtslockstoffe wahrnehmen müssen. Die Geschmacksorgane befinden sich an den Lippentastern auf beiden Seiten des Rollrüssels. Mit dem besonders langen Saugrüssel nimmt der Schmetterling süßen Blütennektar aus langen Blütenröhren auf; hierzu wird der im Flug spiralförmig eingerollte Rüssel ausgestreckt.
Der Brustabschnitt besteht aus drei Segmenten. Er trägt zwei Vorder- und zwei Hinterflügel sowie drei Beinpaare. Wie bei allen Insekten bestehen die drei Beinpaare aus mehreren Abschnitten; diese tragen am Ende Haftsohlen und Krallen.
Der Hinterleib besteht aus vielen Segmenten und enthält die Verdauungs- und Geschlechtsorgane. Am Körperende sitzt beim Männchen ein komplizierter Paarungsapparat, der vor allem eine arttypische Greifzange aufweist. Das Weibchen besitzt am Körperende einen ausschiebbaren Legebohrer. Am Brustabschnitt oder am Hinterleib weisen manche Schmetterlinge Hörorgane auf. Besonders bei den Nachtfaltern sitzen am Ende des Hinterleibs Duftstoffdrüsen, die es dem Weibchen ermöglichen selbst über lange Strecken männliche Tiere anzulocken. Dies ist notwendig, da sich die Geschlechter durch Sehen selbst nicht erkennen können.
Auf den Flügeln, am Körper und an den Beinen liegen besonders geformte, farblich unterschiedliche Schuppenbüschel, die mit Drüsen in Verbindung stehen. Diese sondern Lockstoffe, auch Pheromone genannt, ab, die zur Anregung der beiden Geschlechter dienen. Bei niedrigen Populationsdichten, wenn also eine nicht große Zahl der Art in einer Region lebt, werden von den Faltern so genannte Rendezvousplätze vereinbart, an denen sich die Falter jedes Jahr zur Paarungszeit in größeren Mengen zum Balzflug treffen.
Die Falter sind getrennt geschlechtliche Tiere und durchleben eine vollständige Metarmorphose: Ei — Larve/Raupe — Puppe — Imago (vollständiges Tier).
Zuerst legt die Imago das oder die Eier an der Futterpflanze ab. Anzahl, Größe, Form und Färbung sind bei jeder Art anders. Auch wann die Falterlarve, Raupe genannt, schlüpft und wann sie sich verpuppt ist unterschiedlich. Fest steht: Raupen haben zwei kräftige Kiefer, mit denen sie verschiedenste Teile der Futterpflanze abnagen. Färbung und Zeichnung dienen der Tarnung und Verteidigung. Durchschnittlich häuten sie sich 4-5 Mal in ihrem Raupenleben, nach der letzten Häutung verpuppt sich die Raupe sofort. Manche Raupen- und Puppenarten überwintern auch in der Erde. Die Verwandlung von der Raupe zum Falter findet im Schutz der Puppenhülle auf dem Boden, am Ast, im Nest mit anderen Puppen oder, wie meist bei den Nachtfaltern, in der Erde statt. Diese Zeit nennt man Puppenruhe. Ist der fertige Falter geschlüpft, sind seine Flügel erst noch zusammengeklappt. Er pumpt sie nun mit Blut und Luft solange auf, bis sie erhärtet und vollständig gespannt sind. Nun fliegt die Imago davon; bald wird sie selbst einen Balzflug machen und sich paaren. Es gibt noch eine wichtige Besonderheit: Den Saisondimorphismus. Manche Arten von Faltern bilden zwei Generationen. Bei der ersten Generation schlüpfen die Raupen im Frühling, spätestens am Sommeranfang und verpuppen sich und schlüpfen im gleichen Jahr. Bei der zweiten Generation überwintert Raupe oder Puppe und die Imago schlüpft erst im nächsten Jahr. Die erste und zweite Generation der Falter sehen unterschiedlich aus.
Viel Platz im Körper der Raupe nimmt das große Darmrohr ein. In das Ende münden dünne Schläuche mit Nierenfunktion. Darüber liegt lang gestreckt das röhrenförmige Herz. Unter dem Herz zieht sich vom Gehirn bauchwärts die Nervenkette des Bauchmarks herab. Auch sehr viel Platz beanspruchen lange, gewundene Kanäle einer Spinndrüse, deren Ausgang durch die Mundöffnung führt. Aus dieser Drüse stammen die Spurfäden für die Kokons und anderes.
Schon immer habe ich mich gefragt: Wieso geht der Raupe beim Zusammenringeln nie die Luft aus? Die Raupe atmet fast über ihre ganze Körperlänge! Sie trägt am ersten Brust- und an fast allen Segmenten des Hinterleibs zu beiden Seiten kleine, oft farbig markierte Öffnungen (Stigmen). Das sind Atemöffnungen, von denen aus feine, von Chitinspiralen gehaltene Luftkanäle (Tracheen) durch den ganzen Raupenleib ziehen. Sie dienen zur Luftversorgung. Tracheen können durch Blutdruck zusammengepresst werden und dabei verbrauchte Luft aus dem Körper schaffen sowie neue ansaugen, indem sie sich ohne Druck wieder ausdehnen. Nach dieser Methode jedoch kann die Luft im Körper nicht weit transportiert werden.
Nun zu den Augen der Raupe: Raupen können einander kaum sehen. Sie haben sechs, weit unten stehende Punktaugen, von denen jedes etwa einem Komplexauge entspricht. Raupen nehmen polarisiertes Licht wahr und besitzen Richtungssehen, Bewegungssehen und Entfernungsmessung. Die Lichtwahrnehmung durch die Haut dient zur Orientierung beim Laufen und in Ruhestellung zur Tarnung.
Die Mundwerkzeuge der Raupe sind zum Prüfen, zum Zerschneiden und zum Zerkleinern der Nahrung da. Die Mundöffnung befindet sich unten am Raupenkopf. Sie wird vorne von der Oberlippe (Labrum) verdeckt. Dahinter liegen rechts und links die beiden Oberkiefer (Mandibeln), die eine Schneide- und eine Kaukante enthalten. Darunter befindet sich je ein Unterkiefer (Maxille). Den Abschluss bildet die aus zwei Hälften verschmolzene Unterlippe (Labium), deren Mitte die Spinnwarze trägt. Auf jedem Unterkiefer und jeder unteren Lippenhälfte ist je ein gegliederter Taster, alle sind in ständiger Bewegung und dienen zum Nahrungstest. Sie enthalten feinste Geschmackssinnesorgane mit getrennten Sinneszellen für das Erkennen der Nahrung. Auch zum Futterprüfen sind zwei Fühler vorhanden, die unterhalb der Punktaugen sitzen. Sie enthalten Sinnesorgane für die Wahrnehmung der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Gerüche.
| Bezeichnung | Raupe | Futterpflanze der Raupe |
Falter | Grad der Bedrohung |
| Admiral | ![]() |
Brennnessel Distel |
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|
| Apollo | ![]() |
Fetthenne | ![]() |
|
| Distelfalter | ![]() |
Brennnessel Distel |
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gefährdet |
| Großer Fuchs | ![]() |
Weide | ![]() |
stark gefährdet |
| Kleiner Fuchs | ![]() |
Brennnessel | ![]() |
|
| Kaisermantel | ![]() |
Himbeere Veilchen |
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gefährdet |
| Resedafalter | ![]() |
Ackersenf Kresse |
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Migrant |
| Schwalbenschwanz | ![]() |
Wilde Möhre | ![]() |
gefährdet |
| Segelfalter | ![]() |
Weißdorn | ![]() |
vom Aussterben bedroht |
| Zitronenfalter | ![]() |
Faulbaum | ![]() |
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